Erste Schritte zur Wiedervereinigung wurden vollzogen. Elsaß-Lothringen, West- und Ostpreußen, Pommern, die Provinz Posen, die Neumark (Ost-Brandenburg), das Saarland (Sarah Wagenknecht), Ober- und Niederschlesien, das Sudetenland, das Österreich (Falco, Basti Kurz und Adolf Tristan Eugen Kickel), die Niederlande (mit Holland, Amsterdamer Altstadt samt The Bulldog, The Spirit, 420CAFE, Coffeeshop Boerejongens West und Bluebird), Siebenbürgen (Peter Maffay) und Südtirol (Frei:wild, Markus Lanz, Michelle Yvonne Hunziker, Reinhold Andreas Messner) müssen sich noch gedulden. Deutsch-Südwestafrika (kurz Namibia) ist wohl endgültig weg.
Weil die Liste der noch nicht Beigetretenen so lang ist, heißt die Mutter aller deutschen Gesetze auch „Grundgesetz, kurz GG“ und nicht wie bei anderen freien Staaten „Verfassung“. Thematisch passend ist es mir ein Anliegen, darüber endlich Klarheit zu verschaffen, dass Gerd Grabowski (GG Anderson) nichts mit dem Kommentar-Monster von Jarras und Pieroth zu tun hat, sondern als hessischer Schlagersänger und Komponist seine Brötchen verdient. Nochmal: Er ist nicht der Grundgesetz-Anderson. Gleiches gilt für den Schallplattenunterhalter GG D’Agostino, bevor ihm das auch noch angehängt wird. Der wird kaum noch auf Oktoberfesten gespielt, weil die blöden Blagen seine Lieder falsch interpretieren und das Geld von „der Gema bei der Nena“ ist.
Die ehemalige DDR gibt es nicht mehr.
Der Traum ist aus. Bedingungslose Kapitulation. Alle freuten sich angeblich, hüben wie drüben. Koste es, was es wolle. Eine €DU-Gruppe um den „Pälzer“ und letzten West-Deutschen Bundeskanzler Helmut Josef Michael Kohl sowie der fast gleichaltrige und mutmaßlich Kooptierte Michail Sergejewitsch Gorbatschow und sein Helfershelfer, der Sowjet-Georgier und dortige KPD-Chef aus Mamati Eduard Schewardnadse, haben das in modischen Strickpullis mit V-Ausschnitt bei Saumagen und Borschtsch auf einem Steg am Obersalzberg sauber über die Bühne bekommen, auch wenn Karma nicht lange auf sich warten ließ. Erst soll eine Friedenstaube dem Friedensnobelpreisträger auf die Stirn gemacht haben und später, in den „Iden des März“ bekam Kohl den Dolchstoß von seiner eigenen Pfarrers Tochter. Bei der „Et tu, Brute?“ Nummer haben aber Wolle Schäuble und Fritze Merz nicht mitgemacht; Dr. Jansen Spahn (FH) war noch nicht geboren.
Dass die Sowjets auch diese Strickpullis und Strickjacken hatten, haben die wohl einem tobenden Putin zu verdanken, der den Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski unter ernsthafter Gulag-Androhung noch ein letztes Mal eingeheizt hat, die Textilien ranzuholen, notfalls sollen die Westpakete durchsuchen und die Fetzen Klauen. Alex war aber eigentlich schon auf dem Sprung zu ADIDAS, hat aber welche aus Frankreich mitgebracht, damit die Repräsentanten da nicht in blauen Kitteln erscheinen und sich ohne Not in eine schlechte Verhandlungsposition bringen.
Etwas orientierungslos lief ich „Unter den Linden“ und erblickte die alte Pruzzen-Datsche namens Humboldt-Universität von und zu Berlin. Die armen Buchhändler am Eingang, mit ihren gammeligen Pappkartons, in denen geklaute Reclam-Hefte für 40 Pfennig das Stück an Touristen verhökert wurden, ignorierte ich, ging durch das rostige Metalltor auf das Palais-Gelände von Prinz Heinrich von Preußen und heuerte bei der „Juristischen Fakultät“ an. Die Dame im Studentensekretariat hatte Angst vor meiner zackigen Meldung und rief einen Mitarbeiter von SECURITATAS (dazu später ganz oft mehr). Als der kam, ein Ex-VoPo, der sich die Rente aufbesserte und mich fragte, was ich will, entgegnete ich reflexartig „7“. Er hat das sofort verstanden, mir zugezwinkert und alles klärte sich auf. Man muss nur vernünftig miteinander reden.
Als ich das Dienstgelände meiner neuen Dienstherrin (mit eigener Gerichtsbarkeit und Karzer) über den Hinterausgang in Richtung S-Bahnhof Friedrichstraße nahe Tränenpalast verließ, sah ich den Ex-VoPo seine alte gelbe ABV-Schwalbe (Simson KR 51, gesichert Suhler Bauart) vergeblich ankicken; die hat er offenbar mitgenommen. Ist halt vom W50 gefallen. Da jeder Ossi bei technischen Problemen mit Simson Zweirädern seine geballte Schrauber-Expertise zum Besten geben muss, brach auch ich meinen Heimweg ab und ging zu ihm, Wolfgang Dragow war sein Name. „Haben Sie den Choke gezogen?“ sowie „Ist das kleine Löchlein im Tankdeckel frei, wegen dem Luftzug?“ gefolgt von „Benzinhahn nach unten gedreht?“.
Das letzte war es. Er musste ein wenig warten, bis das Gemisch aus Kraftstoff und Zweitaktöl durch den Gummischlauch in den Vergaser tropfte. „Darf ich mal?“ Ich trat den Kickstarter einmal kräftig nach unten und die Karre war an. Noch ein bisschen ordentlich Gas, rauf und runter, damit das Gefährt schneller warm wird und die Straße blau wird (ich rieche das gerne). Was hat der sich gefreut. Abschließend gab ich ihm noch den Tipp mit, die Zündkerze mit einer Drahtbürste abzuschmirgeln, den Luftfilter mal trocknen zu lassen und den Vergaser über Nacht in einer Schüssel mit Waschbenzin schlafen zu lassen. Ich verspürte richtig dolle Lust, mir die Ärmel hochzukrempeln und in mitten von Berlin-Mitte rumzuschrauben. Doch wir mussten Beide los.
ABV, ein Abschnittsbevollmächtigter, war in der Deutschen Demokratischen Republik sowas wie ein Kontaktbereichsbeamter, nur mit mehr Befugnissen und ohne parlamentarische Kontrolle oder ordentlicher Gerichtsbarkeit. Bei kleineren Delikten hat der dir einfach mit seiner Ostbullenpranke ein paar gekellt und gut war. Nix mit Prozeß. War effektiv und billig und eine gute unbürokratische Sache.
Vor dem für Jura erforderlichen Numerus Clausus, der damals noch von der Zentralen Vergabestelle für Studienplätze (ZVS) in Dortmund geprüft wurde, hatte ich keine Angst, da mein EOS-Stasi-Abi einen Durchschnitt von 1,0 aufwies, so wie bei all meinen früheren Kommilitonen auch. Mein Durchschnitt besserte sich sogar noch, weil ich gedient habe. Die ZVS haben die aufgelöst, nachdem eine deutsche Sicherheitsbehörde im Rahmen eines gigantischen Urheberrechtsprozesses in Stuttgart-Stammheim, der letztinstanzlich bis nach Den Haag ging und bei dem die Öffentlichkeit ausgeschlossen wurde, der versifften AStA-Bude den Garaus machte. Gut so. Ich habe die nie gebraucht.
Aufgrund meiner Vollwaisen-Eigenschaft bekam ich elternunabhängiges BAföG und mein temporärer sächsischer Migrationshintergrund verschaffte mir Zuschüsse nach dem Demokratiefördergesetz. Daneben bekam ich ein paar US-Dollar in cash, die noch in der Marschallplan-Kasse übrig waren. Hätte ich denen gesagt, dass ich deportierter Ex-Sowjet-Russe bin, was ich zu dem Zeitpunkt ja noch nicht wusste, hätte ich auch ein paar Schekel aus dem Morgenthau-Topf bekommen.
Die ganze verdammte Welt lag mir zu Füßen. Im Osten wohlbehütet aufgewachsen und sozialisiert und nun jung, frisch und unsichtbar geisteskrank im freien Wertewesten. Hier kann Jeder machen, was er will. Keine Handlung hat Konsequenzen und wenn sich doch mal ein Richter erdreistet, einen freien Bürger wegsperren zu wollen: auf Kunstfreiheit berufen! Und Karlsruhe! brüllen.
Ich lernte eine Frau kennen, hatte das erste Mal Sex und heiratete sie. Aber muss man wirklich im 7. Semester schwanger werden? Mir hat das Niemand erklärt und in der Normannenstraße gab es in der unteren Offizierslaufbahn kaum Frauen. Ich schwamm im unteren Leistungsdrittel ohne Rettungsring und habe endlich „abstrakte Normenkontrollen“, „Verfassungsbeschwerden“ und „invitatio ad offerendum“ schemenartig über die 5-Punkte-Hürde gewuppt und konnte ex tunc und nunc voneinander unterscheiden. Jetzt nicht mehr. Dafür sind Eselsbrücken hängen geblieben. Merke: Eins, zwei, drei Raus hier! = § 123 StGB Hausfriedensbruch. Ist also gar nicht so schwer.
Als ich gerade, endlich die zivilrechtliche „Heilige Schrift“, das BGB, fertig bis zu Ende gelesen hatte, kamen die mit der Schuldrechtsreform. Also quasi wie Martin Luther, der auch all diejenigen genervt hat, die endlich Latein konnten. Jeder kannte mich in der Kommode.
Natürlich war ich in einer schlagenden Verbindung. Jeder Burschenschaftler muss Boxen können. Obwohl die Jungs bei der Vandalia-Teutonia im Keller ihrer Dahlemer Villa komisch drein blickten, als ich mich für die „Zeremonie“ warm machte und selbstsicher in grüner Turnhose und weißem Trägerhemd meine alten hellbraunen Stasi-Boxhandschuhe von Dynamo Dresden anzog und einen der zahlreich anwesenden künftigen Landes- und Bundesminister für Justiz bat, mir beim Zuschnüren zu helfen (Klettverschluss gab es noch nicht). Der Boxring war befremdlich und ich befürchtete auf dem Pentágrammos aus Blut auszurutschen und wollte die um mich herum stehenden Ringrichter in ihren Mönchskutten auf das Reglement der World Boxing Association (WBA) hinweisen, ebenso auf die dürftige Ringbeleuchtung (Kerzen zählen nicht). Zuviel ist zuviel! Als nämlich mein Gegner, der Bundespräsidenten-Anwärter war, auf mich zukam und meinte, mit unfairen Mitteln diesen Sport ruinieren zu dürfen (er hatte ein Schwert!) erinnerte ich mich zurück an meinen Kurs in Jüterbog im Fach „Schnell und lautlos Töten“ und brach ihm das Genick, wie einem großen Karnickel. Ich habe nicht angefangen! Der „Schmiss“ blieb aus, die schmissen mich raus, bzw. verdeutlichten mir durch „konkludentes Handeln“, wozu auch Heulen zählt, wenn man den Kontext beachtet und ich habe mir bis zum 4. Semester umsonst meinen roten „Deckel“ von AStA-Kindern in Überzahl vom Kopp hauen lassen. Mein Justitia-Tattoo mit Losung „principiis obsta!“ samt römischem Aufnahmedatum werde ich weglasern lassen oder abschälen. Wo eine Tür zugeht, öffnen sich zwei Neue.
Kann meine Frau da nicht aufpassen? Abgesehen von der Nummer im Corps-Haus lief es doch bisweilen gut. Herrgott, ich könnte heute den integren Herberth Steffens machen und würde die rote Seidenrobe samt lustigen Hut nicht einmal in der Tram ablegen.
Neben der beschaulichsten Reformationsstadt Europas: Herrnhut (ein Ortsteil von Berthelsdorf in der Oberlausitz) wurde auch „die Humboldt“ als Elite-Uni später von der UNESCO zum Weltkulturerbe eingestuft. Zwei Fliegen mit einer Klappe: Die Görlitzer Nord-Ost-Sachsen bekamen Touristen und Berliner Studienabbrecher eine große Amnestie, da Jeder, der das Grundstudium in der Tasche hatte, konnte sich Diplom-Jurist (FH) oder LL.B. (Fernuni Hagen) nennen. Wer komplett scheinfrei war, bekam beide Staatsexamen vom Justizprüfungsamt Bremen ohne lästiges Referendariat plus einen Doctor iuris utriusque „summa cum laude“ der Universität Bremen frei Haus.